
Er kam zuerst. Friedrich, groß und schwer. Die Hüften rund und einen kleinen Bauch vor sich herschleppend. Hallo Kinder, rief er, und meinte die Familie, die schon unten im Garten saß und in das Feuer starrte. Vater, Mutter, Kind. Er hatte ein dünnes Hemd an, an dessen Ende der Bauch ein wenig hervorschaute. Seine großen Hände, mit den dicken, gelben Fingern und den roten Innenflächen, hielten Blumenstrauß und eine Flasche Wein. Unter der Achsel steckte ein bunter Karton, der wohl für das Kind gedacht war. Er schüttelte kräftig die Hände, dem Kind fuhr er über den Kopf und verteilte stolz, aber ein wenig verschämt die Geschenke.
Lachen folgte, und das wäre doch nicht nötig gewesen, vielen Dank, du bist der erste mein Lieber, und er begann sich wohler zu fühlen. Er setzte sich in einen Stuhl und wartete. Mein Gott bin ich erledigt, traute er sich zu sagen. Den ganzen Tag in diesem scheiß Lastwagen. Und dann noch diese Hitze und der Verkehr.
Willst du ein Bier, fragte eine Stimme. Gerne antwortete er. Auf dein wohl, riefen alle, und er trank die Flasche in einem Zug leer. Ah, tut das gut. Könnt ich noch eins haben? Diese verdammte Hitze. Zum Glück hab ich mir noch schnell kurze Hosen angezogen. Das stimmt, wurde ihm erwidert.
Er saß da und starrt in den Himmel. Kein Wölkchen, sagt er, kein Wölkchen. Vielen Dank für die Einladung. Hoffentlich gibt es kein Gewitter, das wäre doch schade. Nicht wahr. Ja, das wäre schade, entgegnete jemand. Aber ich glaube das wird halten. Es ist nicht schwül, und es hat erst gestern gewittert, nicht wahr?
Bist du da unterwegs gewesen? Bin ich, sagt er. Bin ich. Kaum die Hand vor Augen hat man gesehen. Das war schlimm. Aber ich erlebe das ja nicht zum ersten Mal. Für mich ist das Routine. Da macht mir keiner was vor. Wenn ich in meinem Lastwagen sitze, fühl ich mich wohl. Wenn dann noch eine leichte Ladung, eine die keinen Kummer macht, dazu kommt, dann bin ich glücklich. Ja, warum soll ich das nicht sagen. Glücklich bin ich dann.
Friedrich, wir essen gleich. wir warten noch auf Gudrun, wurde ihm von der Grillstelle her gesagt. Ach Gudrun, erwiderte er. Kommt die auch.? Hab sie lange nicht gesehen. Ist sie immer noch so, na wie soll ich sagen. ist sie immer noch so unglücklich? Beim letzten Mal, als ich sie sah, wirkte sie so. Ich glaube sie hatte sogar geweint. War das nicht an einem eurer Feste. Doch, natürlich es war an einem eurer Feste. Ihr gebt ja so viele Feste. Seit halt gesellige Leute. Dabei spielte er mit der Flasche Bier. Ließ sie in den Handinnenflächen hin und her rollen, und nahm ab und zu einen kleinen Schluck. Ja, die Gudrun, sagte er noch. Wie geht es ihr denn?
Glücklich ist sie, sagte jemand. Ach glücklich? Ja, sie hat einen Mann gefunden. Einen Akademiker sogar. Oh, wie schön für sie. Ich hab gleich gedacht, als ich sie zum ersten Mal sah, mit ihrem traurigen Gesicht, mit der würde es schwierig. Obwohl sie eigentlich ein schönes Gesicht hat, auch ihre Figur ist in Ordnung. Aber sie war halt immer so traurig. Das ist sie jetzt nicht mehr, wurde ihm erwidert. Wie schön für sie, antwortete er. Ich freue mich wirklich. Jetzt kann ich es ja sagen. Ich habe mich für sie interessiert.
Ach ja, kam es wie in einem Chor zurück. Ja, wirklich. Hab sie mal angerufen. Hallo Gudrun, hab ich gesagt. Wie geht es dir? Darf ich dich zum Essen einladen. Du kannst gerne sagen wo wir hingehen. Sie hat nur gesagt: Oh Friedrich bist du es. Danke für die Einladung, aber ich habe doch so wenig Zeit. Der Beruf frisst mich auf. Ein anderes Mal vielleicht. Dann hat sie aufgelegt.
Ich war ziemlich traurig. Eine Weile wenigstens. Dann ging es wieder. Man ist ja nicht immer traurig. Irgendwie hab ich an meinen Lastwagen gedacht, und an den Samstagabend, wenn im Fernseher die Hitparade der Volksmusik kommt, und all solche Dinge halt. Dann ging es auch bald wieder.
Ich werde mir jetzt einen Pick Up kaufen. Ach wirklich, sagte jemand ihm gegenüber. Ja, wirklich. Man muss sich ja ab und zu eine Freude machen. Das Geld hab ich zusammen, und jetzt muss ich ihn nur noch bestellen. Schade, dass es mit Gudrun nicht geklappt hat. Jetzt hat sie sogar einen Akademiker. Bringt sie den mit? Ich glaube schon, wurde ihm gesagt. Warum auch nicht. Ja natürlich, antwortete er. Das ist schon in Ordnung.
Ach, da kommen sie ja, wurde gerufen. Friedrich schaute hinüber und sah Gudrun. Seltsam dachte er für sich, die sieht ja immer noch so unglücklich aus. Kein bisschen anders als ich sie in Erinnerung habe. Der Mann neben ihr lächelt, aber sie ist traurig. Das sieht man auf den ersten Blick. Wie der da nur lachen kann. Ob der das nur spielt. Na, egal. Auf jedenfalls wäre es schwierig mit ihr geworden. Ganz gewiss. Sehr schwierig sogar.