Wieso hast du mich nicht einfach in Ruhe gelassen. Seit ich dich entdeckt habe, bist du hinter mir her. Was denkst du dir eigentlich. Drehe ich mich um bist du da, öffne ich die Augen starrst du mir ins Gesicht, will ich meine Ruhe haben, redest du ohne Unterlass. Und es trifft mich. Es ist ja nicht so, dass du mir gleichgültig bist, im Gegenteil, ich halte große Stücke auf dich, weil mich niemand besser kennt als du, bist du doch Teil von mir. Aber trotzdem, warum bist du so unerträglich geworden. Zu einer Last, die mich schwerer macht als es nötig wäre. Es gab Zeiten, als du noch etwas zurückhaltender warst, wo ich fast das Fliegen lernte. Im übertragenen Sinne natürlich, aber das war schön, herausfordernd auch und plötzlich entdeckte ich Räume, in denen ich mich öffnen konnte und so etwas wie ich selbst trat da hervor. Kannst du das verstehen. Nein. Denn kaum entdeckte ich diese Räume warst du zur Stelle und zerstörtest sie mit wenigen Worten und das schlimme war, dass ich es dir glaubte, denn ich vertraute dir. Jetzt da ich alt bin, stehe ich da, weiß nichts mit mir anzufangen, als in den Urlaub zu fahren oder spazieren zu gehen. Habe ich deshalb gelebt. Du bist seltsam einsilbig geworden, als ahntest du, was du verbrochen hast, so über mein Leben hinweg. Letztendlich kann ich dir aber keinen Vorwurf machen, denn ich habe dich willkommen geheißen, anstatt dich zu bekämpfen. Nein, das Beste wäre wohl gewesen ich hätte dich gar nicht erst angesprochen. Doch geht das überhaupt.
Ich habe schlimme Dinge getan. Du weißt es, du hast mir dazu geraten. Ich war im Zwiespalt aber deine Kälte hat mich dann doch überrascht. Deine Einflüsterungen kamen zur rechten Zeit. Ich war unter Druck geraten. Du weißt ja, wie es ist, wenn man Vorgesetzte hat, die selber unter Druck stehen. Auch wie du argumentiertest, mit welcher Härte, Brutalität und Gleichgültigkeit. Es ging schließlich um Menschen, um ihre Existenz, die ich bedrohen sollte. Die hatten Familie, zum Teil kleine Kinder. Das schien dir gleichgültig und meine Einwände, die zugegebener Maßen recht schwach waren, wischtest du mit ein paar Worten weg. Was sagtest du nochmal. Jetzt hab dich nicht so. Jeder ist sich selbst der Nächste, und die Doppelhaushälfte, und das Kind, das studieren soll und die Frau, die in dir einen starken Mann sieht und überhaupt was gehen mich diese Leute an. So hast du mich überzeugt, wobei ein kleiner Zweifel blieb. Ich hatte einige Tage einen Druck in der Magengegend, vor allem als ich den Artikel schrieb der die Vernichtung (im wahrsten Sinne des Wortes) dieser Leute auslöste. Irgendwann hörte der Druck auf und ein Machtgefühl stieg in mir auf, ich lächelte überlegen, weißt du noch und drückte die Hand meines Vorgesetzten ein wenig stärker als zuvor.
Ich habe dieser Frau widersprochen. Nicht in dem Sinn, dass ich ihr gegenüber stand und es in ihr Gesicht sagte. Nein, ich schrie es öffentlich hinaus, so dass es alle hören konnten. Wo das war? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall spürte ich eine unermessliche Genugtuung, denn sie hatte meine Kinder bedroht. Nicht etwa, dass sie ihnen Gewalt antun wollte, im Gegenteil. Sie sprach von Freiheit, und dass die Maßnahmen dazu führten das sie verstümmelt würden, verstümmelt an Seele und Geist. Kannst du dir das vorstellen. Welch eine Unverschämtheit, wo doch alle sagen, es müsse sein. Wir schützten uns und andere damit, ja wir könnten irgendwann wieder ein normales Leben führen und muss man da nicht Opfer bringen. Du hast mir schnell zugestimmt, fast zu schnell, so dass ich bei dir einen Hintergedanken vermutete, vielleicht sogar einen Zweifel. War es so. Ich kann dich jetzt fragen, da die Frau entlassen ist und deshalb meine Kinder in Ruhe lässt. Alles hat sich wieder eingependelt. Ich spüre auf einmal deine Angst, jetzt wo alles ruhig ist. Du willst mir wohl deinen Zweifel erklären. Ich will es nicht hören. Alle sind zufrieden und auch du solltest es sein.
Warum sind wir Feinde geworden. Haben wir uns nicht genug angestrengt. Liebten wir uns so wie wir es wollten. Ich hatte es angenommen, denn kann man streiten, ohne sich zu lieben. Wie soll das gehen. Du bist irgendwann ausgeschert. Hat dich etwas aus der Bahn geworfen, einer meiner Gedanken vielleicht und hat sich der Hass eingeschlichen, der doch alles in ein unauflösbares Schwarz verwandelt. Selbst unsere Liebe. Du antwortest mir nicht mehr, selbst wenn ich noch so dränge. Was ist nur geschehen. Finden wir nichts mehr Gemeinsames. Es ist doch so einfach. Du bist ein Mensch und ich bin ein Mensch. Du hast Angst, ich habe Angst, du hast Schmerzen, ich habe Schmerzen, beide lieben wir die Freude am Leben, was gibt es nicht alles zu schauen. Die Schönheit der Natur, gerade in ihrer unglaublichen Gleichgültigkeit uns gegenüber. Das muss doch einen Grund haben. Wir haben oft darüber geredet, aber keine Antwort gefunden. Dass ist eben diese Schönheit, das Unbegreifliche, das Rätsel. Ich weiß nun, dass genau das dich verärgert hat, bis hin zum Hass. Du wolltest es nicht hinnehmen und bist deshalb als Suchender in ein Labyrinth getreten und hast es als Fest begriffen, obwohl es doch einer Selbstzerstörung gleicht. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder, ich würde es begrüßen und ich säße gewiss nicht, so wie es jetzt gerade klingt, auf einem hohen Ross. Wenn es nicht gelingt, werden wir spätestens auf dem Sterbebett aneinander denken. Haben wir genug geliebt?
Diesen Drang, den ich spürte, als ich dich in mir entdeckte. Zuerst warst du weit weg, nur beiläufig hörte ich dich reden. Oft verschwommen antwortest du, oder ich war irgendwo unterwegs und kam nicht zur Ruhe, denn man muss zur Ruhe kommen wenn man jemandem zu hören will. Ich war jung, frech, ausufernd. Niemand konnte mir etwas anhaben. Alles was von außen kam drang in mich ohne jeden Vorbehalt. Es war schön. Das ist jetzt anders, denn dieses Offene hat dich stärker gemacht, deutlicher und ehrlicher. Irgendwann zwangst du mich zuzuhören. Deshalb suchte ich mir Plätze, Räume, Zimmer. Ich verlangsamte, wenn man an so will, denn deine Sprache nahm an Deutlichkeit zu. Fast träge wurde ich, so dass ich beinahe mein Leben aus den Augen verlor. Nun da ich diesen Zusammenhang erkannt habe und du mir sehr wichtig geworden bist, gelingen schöne Gespräche. Manche nennen dies, alt werden.
Hast du auch davon gehört. Es stand ja in allen Zeitungen. Hättest du das für möglich gehalten. Ich nicht. Du schaust mich glücklich an, so als ob es dich freute was geschehen ist. Nun ich möchte nicht in dessen Haut stecken. Er hätte es halt nicht verheimlichen sollen. Andererseits ist es auch schwer zuzugeben wer man eigentlich ist, zumal ja die Meute schon wartet, um einen zu zerreißen. Komm, Bruder, gehen wir Arm in Arm spazieren und bedauern diesen Menschen, da drüben, für uns unerreichbar. Sein Schmerz ist unsere Lust, nicht wahr. Mein Gott wie deine Augen glänzen. Darauf ein Gläschen Wein. Wir werde lange reden darüber wie es so weit hat kommen können und überhaupt die Gesellschaft, die Menschen, wie dumm und böse sie sind. Wir dagegen, wir beide, werden heute ein Sonnenbad nehmen, das haben wir uns verdient, oder etwa nicht. Morgen wieder dürfen die Ängste zu uns kommen und die Schmerzen, aber heute freuen wir uns jemand besonderes zu sein, denn ein anderer leidet nicht mit uns sondern für uns.
Du hast mich gut beraten. Das muss ich zugeben, wenn auch alles dagegen sprach, was du mir rietest so ist doch vieles gelungen. Nicht das ich glücklich darüber wäre, denn ich habe Entscheidungen getroffen die anderen schaden werden. Du hast meine Widersprüche einfach so weggewischt, sie für unerheblich erklärt, ja sogar ins Lächerliche gezogen. Du gabst mir das Gefühl Recht zu haben, indem was ich tue. Meine Bedenken verschwanden ja dann auch, und ich baute mir eine eiserne Rüstung. Man muss unnahbar werden, wenn man solche Entscheidungen trifft, wie ich es getan habe. Dass du mich stützt, dafür danke ich dir. Allerdings musst du mir noch viele Besuche gestatten, denn mein Gewissen lässt sich nicht die ganze Zeit beruhigen.
Ist es nicht seltsam, dass alles so schlüssig ist. Ich meine dein Denken. Du hast es mir offenbart und die Zeit hat dir Recht gegeben. Ich war immer an deiner Seite, du hast es so gewollt. Unzertrennlich sind wir geworden. Vor allem wohl, weil du mir immer Recht gegeben hast. Sehr anpassungsfähig bist du. Selbst in meiner größten Wut nicktest du verständnisvoll mit dem Kopf. Auch als ich verzweifelt in Ecken kauerte und nicht mehr ein und aus wusste, warst du zur Stelle und hast die richtigen Worte gefunden. Du weißt gar nicht wie gut mir das tat. Doch wohin hast du mich geführt. War dir immer bewusst, dass ich, und du ja auch, an diesem Ort ankommen würden. In dieser armseligen, kargen Landschaft uns verdingen müssen. Wo Menschen einander nichts mehr zu sagen haben, sie sich in Gebäuden verschanzen, in großen Autos die wie Panzer aussehen, sich selbst einschließen und verschwinden. Und all die Augen, die auf einmal starren, so als hätten sie schon immer gewusst, dass es so enden würde. Aber was. Ihre Freiheit? Und was ist mit uns. Hechelnd hinken wir hinter ihnen her. Du hast gesagt uns bleibt nichts anderes übrig und ich habe dir damit Recht gegeben.
Du hast mir einmal erzählt, dich hätte jemand angesprochen. Jemand der in dir sich zu Wort gemeldet hat. Es war seltsam, sagtest du und beschriebst ganz genau wie es geschah. Das es unvermittelt kam, dann wieder verschwand. Einzelne Sätze waren es, schön in ihrem Klang aber nicht unbedingt leicht zu verstehen. Du sagtest lange hättest du es ignoriert, weggedrückt. Doch die Stimme kam immer wieder. Sie bedrängte dich nicht, sagtest du, sie wollte nichts von dir, es schien so, als wolle sie dir etwas anbieten, und wenn du nicht wolltest, so wäre es auch in Ordnung. So hast du es mir im Nachhinein erzählt, weil du es da erst begriffen hattest. Irgendwann kam die Stimme nicht mehr, zu lange hattest du sie ignoriert. Wie nur wirst du dein Leid ertragen können, zumal es auch das meine ist.
Warum dieser Abstand. Warum sehe ich dich fast nicht. Warum die leisen Worte. Genüge ich dir nicht, dass du mich so ignorierst, oder habe ich dich so sehr verletzt, dass du nur noch in diesem großen Abstand mit mir reden kannst. Selbst wenn ich winkte, würdest du nicht reagieren und trotzdem erkenne ich dich und trotzdem bewegst du etwas in mir, ich kann nur noch nicht sagen was es ist. Ich weiß nur, dass es weh tut.
So ist es still um dich geworden. Viele Gespräche haben wir geführt. Wie verständnisvoll du warst. Ich habe mein Wissen vor dir offenbart und du hast es in dich aufgenommen, ohne groß darüber zu reden. Wie schön du wurdest, wie zugewandt und freundlich. Interessante Antworten gabst du und besonders jene Fragen, die mich fast immer in meinem Innersten kleine Räume öffneten, so dass ich mein Wissen weiten konnte, in die Breite und Tiefe ging, wie ein Wanderer ohne Ziel. So gelang es mir immer offener zu werden, alles Starre war von mir gewichen. Ich sprach die Menschen mit einem sanften freundlichen Ton an und sie schienen es zu spüren, denn auch der Klang und Rhythmus meiner Sprache hallte in ihnen nach. Wie schön sie wurden, wie offen und gelassen. Ja, sie lachten gar darüber, wie schön ihr Leben sein könnte, wenn sie sich selbst vertrauten, dabei hatte ich es ihnen nie gesagt. Deshalb danke ich dir, dass du mich in diese Landschaft geführt hast, vielleicht, wenn alles gut geht, entsteht eine eigene Welt daraus. Hat es sich dann nicht gelohnt gelebt zu haben und ist das Sterben da nicht wie das Fallen auf weichen Grund.
Ich bin immer irgendwo. Die Zeit spielt keine Rolle. Ich schwebe. Ich bin gefragt und deshalb suche ich mich nicht mehr. Heute bin ich da und morgen dort. Übermorgen fliege ich über Wolken, anderntags sitze ich im Zug und mache einen Auftrag fertig. Dazwischen esse und trinke ich, weil ich muss. Sehe ich nicht bewundernde Blicke auf mich gerichtet? Ich komme gar nicht dazu mir Fragen zu stellen. Vielleicht habe ich das auch noch nie getan. Vielleicht hast du es mir verboten, der du jetzt verborgen in mir meine Flucht erleichterst. Was nur hast du mir gesagt, dass es mir jetzt so leicht fällt, weg zu sein. Wenn ich mal wieder der Verzweiflung nahe bin, kannst du dich ja melden. Ich würde mich freuen und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Wähle aber mit Bedacht deine Worte, es könnte sonst mein Ende sein.
Wie leicht es ist Argumente zu finden wenn man über den Menschen schwebt. Sie einen nicht belästigen in dem was man tut. Dann, wenn das Programm fertig ist, lässt man es auf die Massen senken, wie einen Käfig in denen sie zu Meerschweinchen werden dürfen. Welch Aufwand man trieb, um den Abstand zu wahren und als man Ergebnisse suchte, fand man sich selbst in der Hängematte des Wohlgefühls schaukeln. Denn man hat gefunden was man gesucht hat.
Wie schwer es ist sich nicht zu erinnern. Diese eine Tat. Ich komme nicht darüber hinweg. Sie schwelt noch immer in mir. Sie war aus dem Zufall geboren und doch warst du derjenige der mich dazu trieb. Ich gebe dir keine Schuld, denn wir haben lange diskutiert, bis wir zu diesem Urteil gekommen waren. Aber es war der Zeit geschuldet, der Umgebung, dem Drum und Dran. Heute würde ich es nicht mehr tun, und du? Ich spreche dich lieber nicht darauf an, denn du könntest die falsche Antwort geben. So bedrohen wir uns gegenseitig mit unserm Wissen. Ist es nicht so?
Ich weiß nicht, ob man es erwachen nennen kann. Vielleicht habe ich nur den Blick gehoben und dich entdeckt. Ich war jung, und du, wie du mir später einmal sagtest, schon immer da, machtest dich aber nicht bemerkbar. Ich hatte dich also erkannt, und erschrak über deine Härte und Unbeugsamkeit. Kaum etwas hast du mir durchgehen lassen, und wenn doch, so fragtest du tausend Mal nach, ob ich es denn richtig gemacht, ob ich es mir gemerkt hätte wenn ich es später brauchte, überhaupt schriest du, schreib es auf. So habe ich jeden Schritt den ich tat aufgeschrieben, und Aktenordner entstanden, säuberlich geordnet auf Regalen, die zuerst in Zimmern aufgestellt, dann ganze Wohnungen, und zuletzt ein Gebäude mit sage und schreibe fünf Stockwerken ausfüllten. Ein Archiv ist daraus geworden und immer noch genügt es dir nicht. Ich bin erschöpft. Nicht einmal habe ich in den Ordnern geblättert, geschweige denn darin gelesen. Hättest du es nicht gefordert, ich selber wäre nie auf die Idee gekommen.
Dann entstand eine Bedrohung. Überall war sie gleichzeitig und die Menschen konnten dieser nicht mehr ausweichen. Doch sie stellten sich ihr nicht, im Gegenteil, sie nahmen sie an, wie man einen guten Ratschlag annimmt in der Hoffnung alles löse sich in Wohlgefallen auf. Immer schon waren sie Austern gewesen, denn wenn man in einer Dienstleistungsgesellschaft aufwächst und lebt, entledigt man sich mit der Zeit jeder Selbstwahrnehmung, um nach ihr Entscheidungen zu treffen, sondern verschließt sich vor sich selbst. Denn es gibt ja genug Spezialisten, die einem das Leben ordnen. So habe ich mir das zurechtgelegt. Du warst einer jener Austern. Ich leistete anfangs Widerstand, doch es gelang mir nicht dich umzustimmen, im Gegenteil, jedes Argument, das ich aufbrachte, stärkte dich, bis du zu einem Ungeheuer, und ich zu einem Zwerg wurde. So gerann auch ich zu einer Auster, eine Auster ohne Perle.
Jetzt ist es dir doch gelungen alle Hemmnisse, die in dir tobten, abzulegen. Es hat zwar lange gedauert, aber du hast es geschafft. War ich dir Ratgeber genug oder hörtest du auch auf andere? Ich hab eigentlich nie auf dich gehört, immer waren es Menschen, denen ich begegnet bin. Sie durchwanderten mich und ließen kleine wertvolle Geschenke zurück. Diese festigten sich in mir und bildeten meine Sprache um und aus, so dass ich mit der Zeit sprechen lernte, so zu sprechen, dass mir Menschen zuhören. Also erkennen sie sich in mir wieder. Vor allem in Bildern tauchen sie auf, gehen darin umher und suchen einen Sinn für sich. So zumindest stelle ich mir das vor. Du, der du mich ja immer begleitet hast, warst eher ein Hemmschuh, denn du stärktest mit deinen Ratschlägen eher meine Zweifel, mein Ungenügen, meine Ängste. Ich bin dir deshalb nicht böse, denn das hatte seinen Sinn. Ich musste mich gegen dich auflehnen, und das geschah, bis du irgendwann geschwiegen hast und wenn du dann doch etwas sagtest, war es eine Frage. Du wurdest neugierig und nicht mehr anklagend. Du wolltest Antworten von mir.
Einmal sind wir gemeinsam ausgegangen. Obwohl wir ja immer zusammen sind, wir uns nicht trennen können, selbst wenn wir es wollten, war dieses Ausgehen doch etwas Besonderes. Nicht dass wir irgendwo hingegangen wären, was ist schon ein Irgendwo, nein wir blieben schön zu Hause, nahmen uns aber füreinander Zeit. Wir saßen gelöst zusammen auf einem Stuhl. Du weißt schon welchem. Du begannst zu sprechen, ohne dass ich dich, wie üblich unterbrochen habe. Du redetest frei von der Leber weg, wie es so schön heißt. Du hast mich gelobt, dafür, dass ich den vielen Einflüssen von außen so wenig Beachtung geschenkt hätte. Das fandest du generös, so hast du es ausgedrückt und ich habe es nicht gleich verstanden, dann aber kam ich drauf, denn auch jene mit denen ich nichts anfangen kann, sind doch ein Teil meines Lebens und gehören respektiert. Deshalb also mein generöses Verhalten, auch wenn die anderen noch so schläfrig, gar dumm, oder einfältig sind. Ich hörte dir gerne zu, weil ich wusste du bist eigentlich ich, obwohl du mich oft hart kritisiert hast, gerade in der Zeit, in der ich vor Schwäche strotzte, hieltest du zu mir. Seltsamer Weise hatte ich wenig dazu zu sagen. Ich schien wohl immer nur reagiert zu haben und das war dir recht so. Nun habe ich mich zum ersten Mal über dich hinweg gesetzt. All dein Bedenken wischte ich zur Seite, all deine Zustimmung, rieb ich wie Balsam auf meine Gründe. So entstand dieses Gespräch, da in dem Zimmer auf dem Stuhl auf dem wir gemeinsam Platz genommen hatten.
Dann hast du mich zurückgehalten. Es fühlt sich an als fesselst du mich. Meine Handgelenke schon wund, von deinem andauernden Gezerre, und Geziehe, um mich nur ja vor all den Gefahren zu beschützen, verstecke ich hinter dem Rücken. Nur ja nicht entdeckt werden, denke ich, darum auch das Versteckspiel. Ich verstecke mich vor mir selbst. Deine Angst ist unerträglich. Du weißt dass ich die Freiheit liebe, sie ist in mir in eine Weite gebettet, die du eigentlich fühlen müsstest, aber was tust du, du legst mir Steine in den Weg. Brocken der Warnungen und Befürchtungen. Fantasien paranoider Dummköpfe, die damit ihr Geld verdienen, schleppst du mit aller Kraft auf meinen Lebensweg nur damit ich stolpere und falle. Was habe ich dir getan. Du bist doch meine Seele, wir gehören zusammen sind nicht zu trennen. Dennoch kämpfst du gegen mich. Du bist die Angst und ich bin die Freiheit. Du lebst in Sicherheit, während ich mich immer wieder neu entdecke. Fehlt dir das nicht auch. Nein, du bist schwarz ich bin bunt. Du bist hässlich ich bin schön, du bist gebeugt ich stehe aufrecht, du stolperst ich schreite. Beide enden wir auf irgendeiner Weise. Ich habe gelebt, du hast gelitten.