So wie es oft bei Zufällen regnet oder das Glück von einer Begegnung zur nächsten springtals begänne es zu fruchten. So sind verliebte Paare ein wenig wie flirrendes Sonnenlicht und wenn sie sich wirklich finden, finden sie sich über die Sterblichkeit hinweg.
So wie man sich findet so liebt man sich auch. Über das Du hinaus spiegeln glänzende Facetten spiegelnde Widersacher und es kämpfen kleine Gespräche in dir gegen große Gefühle an. Im Unsinn der Worte, die wie Schatten ineinander übergehen, finden Liebende die Liebe und begründen sie neu.
Sähe man nur wie sie sich bewegen, wie sie sich in den eigenen Abgründen nach Geborgenheit sehnen. Sähe man nur die Gesichter die türmen. Und der Atem der anderen? Gerade in der Liebe, so sagte man, stünde der Bewegung nichts mehr im Wege, der Bewegung hinein in eine erworbene Welt
Als sie sich in die Hand nahmen. Ein Wort das andere gab floh wie verstohlen die Wärme in ein liebendes Gegenüber. Und als ob es die Ewigkeit gäbe erhob sich die Zweisamkeit zu einem irdenen Maß.
Es war dann früh Abend das Leuchten flanierender Paare „in den Augen stiller Passanten“zur Sehnsucht begrenzt, versiegt in den frühen Morgenstunden zu einem lüsternen Blau.In den Zimmern flutet die Sehnsucht in das Animalische und in den Cafés greifen die Einsamen nach dem letzten Strohhalm und ertrinken.
Und wenn es die Liebe dort in den Zonen der Begehbarkeit gar nicht gäbe, sondernin Empfindungen als ein Bild, das die eigene Wirklichkeit verstört. Und als ob es nicht schon genug Unverständnis gebe, lüftet wie von Ungefähr die Liebe ihre leichten Geheimnisse und gibt sie als Schwerelos aus.
Alles was hinter den Dingen ist, zu begreifen, es zwischen dich und mich legenals wäre es ein Geschenk, das man mit sanfter Geste auf einen Tisch legt und all die Erinnerung, die dabei wie Luftgeister der Liebe zwischen uns, in uns, auf uns liegen bilden Doppelgänger in der Seele des anderen.
So auch ein unaufhörliches sich Versprechen, dass wie sinnliche Wiederholungen eines flüchtigen Glücks, uns ernähren, gebären, befremden. Gleiten wir dann in die betörende Höhe der Sprache, in die wir unseren gegenseitigen Singsang betten, der doch so von Überzeugungen satt kleine Zwischenräume gebildet hat, erkennen wir einen, nur uns gehörenden, gemeinsamen Augenblick.
Ein Mann der sich durch das Begehren einer Frau in ein gläsernes Labyrinth begibt in dem er sich flüchten und suchen sieht. Dabei einen zweiten Körper bildet der, als müsse er dauernd fragen, tröstende Worte erfinden will. Taucht er dann in der Wirklichkeit auf wie ein Ertrinkender glaubt, er an Sätze die an Worte gebunden ihn anders erzählen wollen. Welch betörendes Vorhaben, welch aufwühlendes Glück.
Wenn sich die Irrtümer häufen. Also auch Sprache und die darin sich bindenden Gefühle hohe, wacklige Türme bilden die auf unsicherem Boden emporgewachsen, nun gefährdet sind. Was bedeutet da ein aufeinander zugehen, ein fremdes bekannt machen, einen anderen Willen verstehen lernen. Vielleicht ein Ruhen unter dem wechselnden Licht rauschender Bäume, oder das Summen einer inneren Melodie die sich endlich wieder zu erkennen gibt, oder gar ein nachdenklicher Blick auf den eigenen Lebensweg.
Dann standen sich zwei gegenüber. Es war wie im Märchen. Sie waren beide so voller Symbole, dass sie nicht nur flogen sondern auch schwer an ihren Gewichten trugen, je nachdem wie stark die Winde waren. Mal versteckten sie sich im Herz des anderen, mal führten sie ihre Seele, als ob sie blind wäre, mit sicherer Hand über den glühenden Boden ihrer Ängste. Dann spürten sie, als sie gemeinsam ankamen, denn das war ihre Passion, ein zartes Kitzeln in der Bauchgegend. Alle Schwere war verflogen. Dann auch geheimnisvolle Blicke, Sätze in Rätsel gekleidet, Musik, die zwischen die Gedanken brandete, und eine unerhörte Stille entstand, aus der sie gekommen waren und in die sie wieder zurückkehren werden. Dazwischen gründet ihre Liebe.
Jetzt sind sie gemeinsam an einem nur ihnen bekannten Ort. Ihre Körper strahlen so etwas wie Zuversicht aus. In der Sprache haben sie sich gefunden, so wie man Früchte unter Herbstblättern findet. Sie gären schon, aber wie schmackhaft sie sind. Dann lehnen die Menschen sich aneinander weil sie satt geworden sind, nicht an sich, sondern an der üppigen Fülle des gegenseitigen Lebens. Sie beginnen Wege zu träumen, die aus ihren eigenen Labyrinthen führen sollen. Gibt es noch Geschichten, in die sie münden können.
Sie sind nebeneinander, miteinander ein Stück Weg gegangen. Ihre Gesichter hoben sich in die Fremde ihres Begehrens, als sie wieder bei sich angekommen waren erschlossen sie sich eine andere Sicht der Dinge. Erhaben begannen sie zu sprechen. Zuerst voneinander dann miteinander zuletzt schwiegen sie. Was dann zwischen ihren Körpern lag war wie das Greifen nach Blütenstaub. Jene abstürzende Gründe, die in ihnen tiefe Gräben hinterlassen hatte, wuchs mit ihren besänftigenden Gedanken zu. Dann das Schwanken der Sprache, das wiegen der Seele, der blitzende Geist.
Vielleicht sind Gewohnheiten in der Liebe nicht nur Schutt, der von einem abgebrochenen Gebäude übrig bleibt. Vielleicht herrscht in ihnen auch jener Glanz, der die Zeit in einen gleichmäßigen Takt zwingt, auch wenn dies eine Spannung abverlangt, die nur durch Überraschungen gelöst werden kann. Also Rhythmus, Auf und Ab, Akkorde an Worten die einen satten Klang ergeben. Instrumente, die aus Teilen ein Ganzes weben, sei es Melodie oder Klang und verklärte Gesichter die ihr Zusammensein wie einen schönen Traum begreifen. Daraus könnte ein gutes Leben entstehen, eines das stolpert und hüpft, eines das schlingert und tanzt, eines das wahr ist und falsch.
Sie gehen spät noch lange Wege. Eine Ungeduld hat sich ihrer bemächtigt die sie nun in ruhigen, aber stetigen Bewegungen zu bändigen versuchen. Sie gehen Hand in Hand und es ist fast wie ein Schlendern. Es sieht sogar lustig aus, auch hölzern. Als tanzten sie eine Pantomime über sich selbst. Zuerst der Ernst in ihren Gesichtern. Seines und Ihres, dann das sich langsame Lösen ihrer Glieder. Sie gehen aufeinander zu, voneinander weg, ein Rhythmus entsteht. Dann ein Lachen von ihr, der bewundernde Blick von ihm. Er sieht erleichtert aus und schaut voller Stolz in die Ferne. Gewichte fallen von ihm ab. Sie lacht gefährlich nah an seinem Stolz entlang, doch kennt sie seine Grenzen nur zu gut. Sie sieht ihn überlegen von der Seite an. Sie bleiben stehen. Alle Ungeduld war verflogen und in ihren Seelen kehrte jenes Gleichgewicht zurück, das sie einst zusammenkommen ließ.
Nie sind die Übergänge fließend. Bei ihnen. Bei den beiden. Sie hatten weit oben angefangen. Hatten sich in stürmischen Höhen entdeckt und erfunden. Dann haben sie sich gegenseitig geschenkt. Schön eingepackt mit Glanz und Ornament. Alles nur Hülle, denkt der eine von den beiden gerade, oder auch der andere. Auf jeden Fall war da ein herabsteigen, wenn nicht sogar stürzen. Der Schmerz ihrer Zweifel ist, da sie sich gegenüber sitzen, an ihren Gesichtern abzulesen. Also nichts gefunden was noch Zugeständnisse zuließe. Nur noch Warnschilder und hochgezogene Zäune. Aber sie reden noch miteinander. Nicht so, dass sie danach glücklicher wären, was ja im Allgemeinen ein Gespräch erfüllen soll. Auch bei ihnen. Doch anstatt dass die Spannung nachlässt erhöht sie sich sogar noch. Für beide eine überraschende Erkenntnis. Sie bleiben also müde. Leiden aneinander. Verzehren sich. Ist das denn nicht auch Liebe, versucht der eine zu denken und ist sich seiner Unsicherheit bewusst und auch der andere denkt so ähnlich, wenn auch nicht mit dieser Klarheit die Sprache schafft. Also bleibt doch nur die Höhe. Mühsam machen sie sich auf den Weg. Hand in Hand, die Hoffnung im Gepäck.
Ein junges Mädchen, die Hosen gekürzt bis an den Schritt, die Haare offen, der Blick ein wenig aufgezwungen, aber auch stolz auf Form und Wirkung, geht auf einer Straße. Neben ihr ein Junge. Groß, stattlich anzusehen, schön. In seinen Bewegungen scheint eine Selbstsicherheit heraus, die sich in die Gesten des Mädchens verfängt und in der Zeit ausbildet. Sie lebt in einer sich erfüllenden Ahnung von Liebe. Ihre Körperlichkeit ist Stachel und Ruhekissen zugleich. Was sie an Gedanken und Blicken auf sich zieht bewundert sie wie die Körperpflege einer erfahrenen Frau, doch sie spürt auch Unsicherheit und Schwäche. Was sie fühlt ist nicht nur stolz und Macht, nein auch die Schlieren der Gewalt, der unberechenbare Trieb vorbei schlendernder alter Männer, deren Schmutz der Erfahrung, deren sich auftürmende Lust die plötzlich zusammen fallen will, hängt zwischen ihren Wahrnehmungen wie ein abstraktes Gemälde. Der Junge dagegen ist träumender Schatten. Schlendert leicht und schuldlos neben ihr her. Hat ihre Hand in der seinen. Trocken und warm fühlt sie sich an. Er sucht den Neid der anderen, der ihn erhöht. Findet ihn und bettet seine Gefühle darin. Wie ruhig er schlafen wird. Doch gleichzeitig entsteht eine Verhärtung ihr gegenüber. Sein Gefühl für ihre Schönheit verflacht. Was sie sich gegenseitig als Liebe erklärt hatten, raschelt schon wie Seidenpapier, mit dem man zerbrechliches Geschirr einpackt. Er würdigt sie nicht mehr so, wie sie es fühlen will. Auch sie hat ihn nur genommen, wie man ein Kleid von der Stange nimmt weil man Farbe und Form liebt. Oft streicht sie es glatt wenn es Falten wirft, oft fährt sie mit den Händen über die Hüfte, um es eng zu machen, oft sucht sie es nach Flecken ab. Irgendwann wird sie aus einem Zufall heraus sich in einem Spiegel sehen und sich wundern darüber, weshalb sie so ein hässliches Kleid habe kaufen können. Sie wird es wohl in eine Kleidersammlung geben. Er dagegen wird sich eines Tages beruhigt in die Fänge anderer Mädchen legen.
Ob es an den Zwischenzeiten lag, dass es nicht gelang zueinander zu finden, ist ungewiss. Dass sie es sich wünschten war in ihren Herzen tief verankert. Doch glaubten sie daran? Oder empfanden sie eher Risse aus, der die Schwäche kroch. Sicher ist, dass sie sich eher an den Niederungen orientierten. An den nebligen Auen des Selbstmitleids. Wie wenig Licht sie erreichten, erkannten sie immer, wenn sie voneinander gingen. Sie fühlten sich unsicherer als zuvor. Wenn die Zeit sich dann ein wenig Platz verschafft hat und sie in Erinnerungen all das Unbequeme, unsägliche, irritierende, verloren hatten kam wieder der Wunsch sich zu treffen aus ihrem Herzen wie ein längst erwarteter lieber Gast. Wie leicht es war dann mit ihm zu reden, sich einzubetten in ein Für und Wider. Ohne großen Schmerz, eher leicht, lächelnd und gewiss. Ein betörendes Rundherum entstand, in dem das Reisen so war wie das zu Hause bleiben. Also hielten sie inne, waren an einem Punkt angelangt, von dem aus sie sich wieder begegnen wollten.
Stumm sind sie geworden, die Alten. Ihre Kinder, die zwischen ihnen hausiert hatten, als ob sie fliegende Händler wären, sind zur Ruhe kommen. Nur an den Rändern tauchen sie noch auf, erhellen ihre Gedanken, die sich zwischen Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart gefangen haben. Aufgrund ihres Augenblicks suchen sie Verankerungen, um sie fortzupflanzen. Irgendwann werden sie brüchig, verlieren sich, verschwinden. Die Spiele, die sich da ergeben sind, meistens leichte, zugängliche, mit einem Lächeln quittierte. So wie es ein gelungenes Leben einfordert. Doch auch ein dunkles sich Hingeben, ein Zögern, ein Vergegenwärtigen der eigenen Position die Härte erfordert, ist darunter. Doch erhebt sich beides zu einem Dritten. Einem unauflösbaren Ganzen. Darin gehen sie tänzerisch spazieren. Ein Leben lang.
So gehen sie nebeneinander. Es ist dunkel, die Beleuchtung der Stadt säumt ihren Weg. Ruhig sind ihre Bewegungen. Die Gesichter auf ein Ziel hin ausgerichtet das vor ihnen liegt. Ihre Gespräche sind wie eine Schaukel, auf der ihre Liebe sitzt. Ein Auf und Ab, ein Hin und Her. Gefangen darin, wie in einem Zug, der durch seine Geschwindigkeit sie davon abhält einander zu verlassen. Also sind sie Reisende die träumen. Also ist da auch immer ein Entzweien. Wenn sie so gehen, gerade in solchen weichen, gesättigten Nächten, spüren sie nichts davon. Sie fühlen sich getragen. Die Stimme des Einen ist der Gedanke des anderen. Ausgewogen in ihren gegenseitigen Fehlern schwingen sie wie die Unruhe einer Uhr. Sie geben dem Leben ihren eigenen Takt.
Dann ein anderer, als er sich ihr näherte. Er schon hunderte Mal neben ihr, vor ihr und hinter ihr gestanden war und nun diese Begegnung wie ein Erdbeben empfand, das in einer fernen Gegend zu ihm herüber strahlt. Er spürt ein sanftes Vibrieren, das seinen ganzen Körper durchströmt. Sie ist in ihrer Teilnahmslosigkeit eine Macht. Er versucht darunter zu schlüpfen und sie zu heben, wie man eine Decke hebt, die über einen gefallen war. Er sehnte sich nach Helligkeit, nach klar erkennbaren Bildern, vielleicht sogar nach Offenbarungen, zumindest kleinen Rätseln, die sich lösen wie Schnürsenkel an den Schuhen seiner Wanderschaft. Wie sehr träumte er von dieser lässigen etwas Ruckelnden sich im Nichts auflösenden Handbewegung. Er war also da und sie sah über einen Tisch hinweg in die Ferne. Er begann sie mit Worten zu umgarnen, sie füllte diese Anfänge mit schönen Gefühlen auf so dass eine Landschaft entstand, in der sie sich in die Augen schauen konnten. Der Anfang war getan. Später lösten sie sich in ihren Körpern auf, entstanden neu, zerrannen wie Flüssigkeiten auf dem rissigen Untergrund ihrer Ahnungen, festigten sich in den kräftigen Händen der Gewohnheiten, schliefen einen gesunden Schlaf darin um angeregt zu erwachen, um sich Neues zu suchen. Wie ein Kind das in Wäldern streunt. Es war ein Glanz entstanden am dem sie sich nicht mehr messen mussten.
Als sie ihn von sich stieß war sie stumm geblieben. Nicht ein Ton kam über ihre Lippen. Er hatte sich vor sie gestellt, laut gesprochen, fast gebrüllt, hielt aber eine respektvolle Distanz. Noch. Sie dachte, so kenn ich ihn, so verachte ich ihn wenn er an mir vorbei geht, so träume ich von ihm wenn sich meine Angst in meinem Stolz verfängt. Dann die Lautstärke seiner Stimme, die in ihr so gar nicht nachhalte, eher einen Druck in der Bauchgegend auslöste den sie mit sich nahm wie ein lästiges Geschenk. Es gehört zu ihm, wie die Narbe am Ringfinger der linken Hand. Wie oft hat sie sich von ihm erzählt. Die Anfänge beschrieb sie, als ob sie Bauklötze stapelte und wie mit Absicht stapelte sie so, dass sie bei der kleinsten Bewegung einstürzten. Im Trümmerfeld suchte sie dann den Grund, warum sie überhaupt mit ihm zusammen sein wollte. Also war sie wieder stumm geblieben. Sah ihn verwundert an, glaubte er müsse doch merken, wie sehr sie ihn verachtete. Doch seine Wut, seine Stimme, stülpte sich über ihn und machte ihn zu einer weißen Fläche, deren Glanz, deren scharfe Grenzen ihn zu einem unausstehlichen Tier machten. Wie nur ertrug sie seine Zärtlichkeiten. Fasste sie deshalb Mut. Trat sie deshalb an ihn heran. Stieß sie ihn deshalb von sich weg, wie einen Feind. Und er, was tat er. Er hielt inne, schaute verwundert und seine ganze Stärke und Größe fiel in einem Augenblick in sich zusammen. Er versuchte eine bittende Geste, eine, in der ein ganzes Leben zu stecken schien. Ihr Herz öffnete sich für einen Moment und Mitleid schoss in ihr Gesicht. Ist so ein Leben schön?
Würde ich dich umschreiben, was fiele mir da ein. Dein Anfang in mir waren kleine, kurze Geschichten, in denen du dich wandtest und ziertest. Alles daran war zuerst Körper und Landschaft. Wie schön sich beides miteinander verband, dann wenn ich dich anschaute. Alles was fremd war, wurde mir allmählich bekannt. Alles was bekannt war, alles was ich glaubte, warf ich in die Höhe, betrachtete es wie einen beginnenden Regen, der mich zum Wachsen bringen wollte. Die Wärme deiner Abschiede, an denen immer schon unsere Begegnungen lehnten, manchmal gelangweilt, manchmal mit einer kraftvollen Anspannung, füllten offene Räume mit Erwartungen auf. Schön dass du niemals Gesicht geworden bist, oder verlorene Seele. Immer warst du Gedanken, die trugen, Sprache wobst du wie Kinder Geschichten weben. Zart deine offene Welt. Würdest du dich beugen über mich. Würdest du Wange an Wange mit mir einen wiegenden Schlaf üben, würdest du lieben – können.
Es hieße den Körper des anderen zu entdecken. Nicht seine Schönheit im Sinne einer übergeordneten Macht, sondern in seiner betörenden Gewöhnlichkeit. Was könnte man darin nicht alles verstecken. Allen Mut, den man zusammen genommen hatte, all den Zweifel, der in den Ahnungen tobt, all die Bilder, mal dürr und klagend, mal überbordend und frech, die einen sinnlich machen und warm. Sind nicht auch die Gerüche, je näher man sich kommt, ein Maß für eine eigene Geschichte. Eine Geschichte des Verständnisses, der Toleranz, der interessierten Gleichgültigkeit. All die scharfen Klingen, die uns in Form eines körperlichen Idealismus bedrohen, die unsere Seele beschneiden unseren Geist verletzen unsere Wahrnehmung in eine enge Zelle drängen, sind Waffen des Eigensinns. Würden wir uns sehen wollen, wie man eine Baumrinde sieht, oder eine im Wachsen begriffene Wiese, würde uns da nicht auch neben der Schönheit, jene Fehlbarkeit, jener Irrtum, jener Wildwuchs begegnen, der doch erst unser Herz zum Schlagen bringt.
Vielleicht war es eine Begegnung, die zuerst grob dann sich verästelte in ein zartes Gewebe der gegenseitigen Bewunderung, die zu einer Beständigkeit führte. Vielleicht hatten sie, bevor sie miteinander sprachen sich zuerst gesehen, wie sie aus Bussen gestiegen waren, wandernd an Feldern vorbei, über Unmögliches nachsannen, oder an Tischen saßen, lässig nach hinten gelehnt, den Ellenbogen über die Stuhllehne gebeugt, lachend, lächelnd, schmunzelnd, oder aber auch über eine Arbeit gebeugt, die zuerst wichtig war, jedoch, je länger sie sich damit beschäftigten, an Wichtigkeit verlor, sich sogar auflöste hin zu einem Kopfschütteln und Trinken eines Glases Weins und beruhigenden Schlafes mit einem, wie sie es gemeinsam nannten, hellen erwachen. Erst dann, nach solch angenehmem Schauen, wurde ihnen bewusst, wie gerne sie miteinander reden würden. Und sie begannen damit.